World Vision warnt vor Systemkollaps durch Ebola

 

Fragile Gesundheitssysteme durch Ebola vor dem Kollaps
World Vision: Immer mehr Kinder in Westafrika medizinisch unterversorgt

Friedrichsdorf, 10.9.2014. - Angesichts des drohenden Zusammenbruchs des liberianischen Gesundheitssystem durch die Ebola-Epidemie weist die Kinderhilfsorganisation World Vision auf die gefährliche Überlastung weiterer Staaten hin. In den betroffenen Ländern seien Krankenhäuser und Gesundheitsstationen zunehmend nicht mehr in der Lage, die gesundheitliche Grundversorgung für die Bevölkerung zu leisten. Dringend seien Investitionen notwendig, um die geschwächten Systeme vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Die liberianische Regierung hatte gestern eingeräumt, dass die Gesundheitseinrichtungen des Landes der Ebola-Epidemie nicht mehr gewachsen seien.  Jüngste Berichte aus Sierra Leone und Liberia zeugen davon, dass Ebola die ohnehin schlecht ausgestatteten Krankenhäuser und Gesundheitsstationen an ihre Grenzen gebracht hat. In der Folge ist medizinische Hilfe für viele Menschen nicht mehr verfügbar. Aus Angst sich anzustecken, verzichten immer mehr Schwangere darauf, medizinische Hilfe aufzusuchen. Viele bringen ihre Babys vermehrt ohne Hebammen zuhause zur Welt. Gibt es Komplikationen, kann ihnen nicht fachgerecht geholfen werden, die Zahl der tödlich verlaufenden Geburten steigt.

Andere Krankheiten als Ebola werden immer weniger behandelt, weil die Kapazitäten fehlen - Opfer sind vor allem Kinder. "Hunderte von Kindern bleiben im Moment unterversorgt und sterben - vor allem an eigentlich leicht behandelbaren Krankheiten wie Malaria, Typhus und Lungenentzündung", berichtet die Kinderärztin Sara Hommel, die derzeit in Freetown, Sierra Leones Hauptstadt, arbeitet. Als Patin unterstützt sie die Arbeit von World Vision.

World Vision fordert die deutsche Bundesregierung und die Regierungen der betroffenen Länder angesichts dieser Entwicklungen dringend dazu auf, die Gesundheitssysteme massiv zu stärken. "Es erstaunt wenig, dass die Ebola-Epidemie ganze Gesundheitssysteme ins Schwanken gebracht hat. In vielen Ländern wird schon seit Jahren massiv an der gesundheitlichen Grundversorgung gespart, vor allem in den ländlichen Gebieten muss man von einer chronischen Unterversorgung sprechen. Dabei hatten sich schon 2001 alle afrikanischen Staaten verpflichtet, mindestens 15 Prozent ihres Staatshaushaltes in die Gesundheitsversorgung zu investieren. Heute haben gerade einmal sieben Länder dieses Versprechen umgesetzt", sagt Marwin Meier, Gesundheitsexperte bei World Vision Deutschland.

"Auch Deutschland bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm, was die Gesundheitsfinanzierung armer Länder angeht. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den Geberländern seit nunmehr einem Jahrzehnt, 0,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens in die internationale Gesundheit zu investieren. Deutschland müsste seine Beiträge aber verdreifachen, um diesen Wert zu erreichen."

In manchen armen Ländern leisten nicht-staatliche Akteure wie Kirchen oder Hilfsorganisationen bis zu 40 Prozent der gesundheitlichen Gesundheitsversorgung. Gesundheitssysteme könnten so nicht nachhaltig betrieben werden, so World Vision. Die Kernverantwortung eines Staates für Gesundheitsversorgung seiner Bürger liege bei der Regierung.

World Vision unterstützt in Sierra Leone seit Ausbruch der Epidemie die Aufklärung der Bevölkerung. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen, Führungspersönlichkeiten und den Gesundheitsbehörden. World Vision-Mitarbeiter informieren die Bevölkerung in ländlichen Gebieten über Vorbeugungsmaßnahmen. Sie versuchen, Vorurteile gegenüber Erkrankten, Überlebenden und ihren Angehörigen abzubauen. Sie sind auch an der Konzeption von Medienkampagnen rund um Ebola beteiligt. Auf Märkten veranstalten sie zusammen mit Straßentheatergruppen Ebola-Informationsevents. Gemeinsam mit Gesundheitsexperten werden Hörspiele, Radiodiskussionen und Hörersendungen produziert, die landesweit ausgestrahlt werden. Auch in Senegal  hat World Vision mit Informationsmaßnahmen für insgesamt 400.000 Personen begonnen.

Mit langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit auch im Gesundheitssektor ist World Vision bereits seit 1996 in Sierra Leone aktiv. Derzeit ruhen Teile der Maßnahmen aufgrund des Ebola-Ausbruchs.

Nach Angaben der WHO haben sich seit März in den drei am schwersten betroffenen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone fast 4.300 Menschen mit Ebola angesteckt. Nahezu 2.300 von ihnen starben.

Für den Kampf gegen Ebola bittet World Vision dringend um Spenden:

World Vision
Konto: 8800
Evangelische Kreditgenossenschaft (BLZ 520 604 10)
Stichwort: Ebola

Quelle

 

Tags:
Keine
Datum:
Mittwoch, 10. September 2014, 11:19 Uhr

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